5. Januar 2021 #wmdedgt

Guten Morgen um 9:00 Uhr. Ausschlafen können ist schon etwas Tolles und so genießen wir die gemeinsamen freien Tage und liegen gerne auch mal länger im Bett. Heute durfte ich alleine aufstehen, in Ruhe duschen und ganz langsam wach werden. Als erstes direkt dann mal eine Maschine Wäsche in die Waschmaschine packen und diese anstellen. Dann wartet die Spülmaschine darauf ausgeräumt und das Geschirr von gestern Abend wieder hineingeräumt zu werden. Fix noch die leeren Flaschen ins Carport räumen und die Vögel füttern. Eine kurze Pause mit dem ersten Tee und dem Smartphone auf dem Sofa, als auch schon das erste Kind nach unten kommt, weil das Bad besetzt ist.

10:00 Uhr Ich wecke die anderen beide Kinder inklusive Übernachtungsbesuch. Koordinieren wer wann jetzt ins Bad darf, damit es nicht schon direkt am Morgen den ersten Streit gibt. Der Mann fährt Brötchen holen und ich decke derweil den Frühstückstisch. Abräumen werden ihn dann die Kinder.

Ein spätes Frühstück wird hier immer mehr zelebriert. Um 12:00 Uhr geht es weiter. Die große Tochter hat sich vor vielen Wochen sprich im Sommer einen Stoff bei mirarostock ausgesucht. Ein Rock soll daraus werden. Da sie stets genaue Vorstellungen hat, frage ich nach einem Schnittmuster bzw. einer Vorlage/Skizze. Sie gibt mir einen älteren Rock und wir nehmen Maß von ihr. Wie lang soll der Rock werden? Bitte nicht zu lang, Mama.

Bevor es weitergeht, Streit schlichten zwischen der Jüngsten und ihrem Besuchskind. Das war absehbar. Auf der Uhr stehen schon 2.000 Schritte, nur im Haus. Ob es heute einen Spaziergang gibt?

12:30 Uhr Skizze vom Rock machen. Arbeitsschritte skizzieren und Veränderungen aufschreiben. Nach einem kurzen Telefonat mit der Tochter, weil ich keine Lust habe nach oben zu laufen, ist klar, dass sie auch gerne noch eine Tasche im Rock hätte und er einen Reißverschluss bekommt. Zuschnitt. Das geht noch recht schnell.

Ich fange anzunähen und hoffe, dass es schnell geht.
1. Unterbrechung: Die Jüngste möchte sich profilieren und zeigen, dass sie machen kann, was sie will. Klar, man möchte vor seiner Freundin gerne als cool dastehen. Sorry, aber aufs Carportdach geht es dennoch nicht. Nach 20 Minuten Krisenintervention, viel reden und noch mehr kitzeln, ist zwar nicht alles geklärt, aber ich kann mich wieder dem Rock widmen. Ist ja auch erst 14:00 Uhr.

Entscheidungen stehen an: Welcher Reißverschluss darf es sein? Dunkelbraun, dunkelrotbraun oder knallgelb? Der Rock wird langsam. Der Mann bringt den Besuch nach Hause inklusive ihrer Sachen. Die Krisenintervention war wohl doch nicht erfolgsversprechend.

15:30 Uhr Alle ans Zähneputzen erinnern. Der Mann geht gleich mit den Kinder zum Zahnarzt. Sein Job, ich bin froh drum. Aber wo sie die Unterlagen vom Kieferchirurgen? Er sucht und sucht und fragt und fragt. Die Konzentration auf den Rock ist weg. Wir suchen gemeinsam. Unauffindbar. Die Rasselbande zieht los. Zwischendurch eine kurze Zwischenanprobe des Rocks, damit er hoffentlich passen wird am Ende. Ich mache eine kurze Pause, mache mir eine heiße Schokolade und schaue Skispringen. Wir haben mittlerweile 16:30 Uhr.

17:00 Uhr Die letzten Nähte werden gemacht. Die Tochter probiert ihn an. Passt. Beim schließen der letzten Nähte mit der Hand am Reißverschluss und der Tasche, fällt dann doch noch ein Fehler auf: Ein Tasche sollte nur eine Öffnung haben, oder? Und Mist, man näht die Taschenbeutel auch nicht an zwei Rockteilen fest. Also nochmal auftrennen und neu zusammensetzen. Fertig um 18:15 Uhr.

Ich sitze müde auf dem Sofa. Der Fernseher läuft noch. Der Mann bietet sich an Essen zu machen. Ich bin froh drum, die Luft ist raus. Irgendwann döse ich ein. Mittagsschlaf um 18:30 Uhr.

19:20 Uhr Es gibt Abendessen. Ich darf mich an den gedeckten Tisch setzen. Verschlafen. Heute geht nicht mehr viel. Kein Spaziergang. Die familientaugliche Lieblingsarztserie wird in einer Doppelfolge ausgestrahlt. Dann abends spät noch Nachrichten. Natürlich hatten wir uns schon informiert, dass der Lockdown verlängert und teils verschärft wird. Für uns nur bedingt problematisch. Ob Frau Gebauer sich diesmal an die Vorgaben der Ministerkonferenz hält oder doch wieder ihr eigenes Ding durchzieht, wird sich so oder so erst morgen zeigen. Ein fader Beigeschmack bleibt: Den Eltern wird die Verantwortung weiterhin zu geschoben, die Kinder müssen zuhause bleiben, aber die Unternehmen bekommen keine strengen Auflagen. Ob unser Arbeitgeber jetzt mal klare Kante zeigt und alle ins Homeoffice schickt, bei denen es möglich ist, oder muss das auch weiterhin jede:r Arbeitnehmer:in für sich selbst entscheiden?

23:15 Uhr Wir gehen Richtung Bett. Zuerst noch bei den Kindern vorbeischauen. Eines von dreien schläft bereits. Den anderen beiden raten wir zu schlafen. Wir diskutieren noch etwas. Licht aus. Ich kann nicht schlafen. Zu viele Gedanken im Kopf.

01:30 Uhr Ich liege immer noch wach. Neben mir schnarcht der Mann leise und friedlich vor sich hin. Er stört mich nicht, nur diese Ungewissheit wie es jetzt weitergeht. Wird die Schule endlich ein durchdachtes digitales Konzept haben und umsetzen oder bleibt es bei Arbeitsblättern? Ich ärgert es so. Es gibt genügend didaktische Konzepte und Modelle, Möglichkeiten des kollaborativen Lehrens unter anderem unter dem Stichwort OER. Ich kenne so vieles aus dem Studium und dem eigenen digitalen Lernen und Lehren, aber nein bisher wurde nichts umgesetzt außer einigen eingeführten Programm, einer einheitlichen Plattform und ein zaghaftes Ausprobieren. Es macht mich traurig. Ich stelle den Wecker auf 08:30 Uhr und schlafe dann doch irgendwann ein.

#wmdedgt steht für „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“, eine Initiative von Frau Brüllen. Jeden 5. eines Monats schreiben viele Blogger:innen ihren Tagesverlauf auf. Ich mag das sehr und schaue gleich mal bei den anderen Teilnehmer:innen vorbei. Du auch?