Drei Wochen Norderney oder meine Erfahrungen einer Mutter-Kur

Vor einem Jahr kam ich mit gemischten Gefühlen aus der Mutter-Kur zurück. Auf der Fähre von Norderney zurück nach Norddeich saß ich und wusste nicht so genau, ob ich aussteigen sollte oder einfach zurückkaufen die Insel wollte.

Hinter mir lagen drei Wochen allein nur für mich. Drei Wochen ohne meine Kinder. Drei Wochen ohne meinen Mann. Drei Wochen ohne die Verpflichtungen des Alltags. Und vor mir lagen viele Fragen und Ungewissheiten: Werde ich zurück in den Alltag finden? Was werden die Kinder nach drei Wochen ohne Mama sagen? Wie wird mein Mann reagieren? Haben sich die drei Wochen Pause auf unsere Beziehung ausgewirkt? Kann ich etwas Ruhe in den Alltag integrieren? Oder kehre ich zurück zu alten Gewohnheiten und verfalle in alte mUster und all die Erholung ist schnell wieder dahin?

Die Rückkehr war alles andere als einfach. Ein Gefühlschaos tobte in mir. Gleichzeitig ärgerte ich mich, dass ich die vergangenen Wochen nicht besser nutzen konnte und zur Ruhe kommen konnte, wo ich mich doch auf diese drei Wochen Pause gefreut hatte. Ich war schon mit gemischten Gefühlen auf die Fähre gestiegen, doch war voller Hoffnung wenigsten ohne Gefühlschaos zurückzukehren.

Gerne würde ich euch erzählen, dass die Sorgen völlig unbegründet waren und ich mit offenen Armen empfangen wurde. Die von mir gesetzten Ziele für den Alltag zu hundert Prozent umsetzbar waren und ich heute deutlich entspannter bin. Ich kann es euch nicht erzählen. Ich würde lügen.

Als Familie mussten wir uns zuerst wieder finden. In der Beziehung mit meinem Mann hatten wir nun einige neue Baustellen oder vielleicht besser gesagt uns sind einige Punkte aufgefallen, die wir dringend besprechen und ändern mussten. Die erhoffte Entspannung und Erholung ist nie wirklich eingetreten.

Einmal herauszukommen aus dem Alltag war Goldwert, doch letztlich war es viel zu spät! Ein Jahr zwischen Antragsstellung und Kurantritt war eine lange Zeit. Eine Zeit, in der die Erschöpfung allgegenwärtig war. Eine Zeit, die zu vielen Streits geführt hat. Eine Zeit, die gezeichneterer von Müdigkeit, Gereiztheit und einem sehr kurzen Geduldsfaden. Ein Jahr Wartezeit war für mich einfach viel zu lange und nur durch viele Bemühungen kamen wir durch diese Zeit. Ich bin meinem Mann sehr dankbar für sein Verständnis und seine Unterstützung, doch leider hat unsere Beziehung zueinander darunter sehr gelitten. Zudem ist diese Zeit auch nicht unbeschadet an unseren Kinder vorbeigegangen.

Meine Erkenntnis und mein Rat für euch und die Politik

Wartet bitte nicht bis zur völligen Erschöpfung, sondern versucht euch regelmäßig Auszeiten zu schaffen. Eine Auszeit muss nicht zwingend eine Kur sein, sondern kann auch einfach ein Wochenende oder ein Urlaub allein oder nur als Paar sein. Eine Kur kam für mich lange nicht in Frage und ich wusste lange auch nicht, dass es möglich ist eine Kur als Mutter zu beantragen und ohne meine Kinder zu fahren. Aber es ist möglich! Es braucht aber etwas mehr Zeit bis zum Kurantritt, da laut Müttergenesungswerk die Plätze für eine Mütter-Kur deutlich geringer sind und sie zum Beispiel nur fünf Häuser in ganz Deutschland haben. Hier besteht dringender Handlungsbedarf! Es braucht in unserer schnelllebigen und fordernden Gesellschaft mehr Möglichkeiten der Unterstützung für Eltern und die Möglichkeit eine vorbeugenden Gesundheitsmaßnahme wie einer Kur für alle Elternteile. Vor allem braucht es zeitnahe Möglichkeiten der Unterbringung und die Möglichkeit für Alleinerziehende ebenfalls eine Kurmaßnahme ohne die Kinder antreten zu können. Es braucht Rahmenbedingungen und Unterstützung seitens des Staates. Theoretisch hat jede Mutter die Möglichkeit alle vier Jahre eine Kurmaßnahme zu beantragen, doch wenn dieses alle tun würden, dann wären die Klinken heillos überfüllt und die Wartezeiten noch viel länger. Wie wichtig ist uns die Gesundheit von Eltern? Was passiert, wenn Eltern krank werden?

Ob ich in vier bzw. jetzt in drei Jahren erneut eine Kur beantragen werde? Ich weiß es nicht. Prinzipiell bin ich nicht so der Typ für eine Kur, doch wenn die Rahmenbedingungen sich für mich bei mir selbst nicht ändern, dann werde ich darüber nachdenken. Ich bin dieses mir und meinem Umfeld schuldig, denn niemand braucht mich gereizt und unzufrieden, weil ich völlig erschöpft bin. Euch kann ich nur auf den Weg mitgeben: Prüft ob eine Kur für euch in Frage kommt und schaut nicht erst, wenn es schon fast zu spät ist. Eine Kur ist eine vorbeugende Gesundheitsmaßnahme, die die Gesundheit erhalten soll und sie dient nicht vorrangig der Genesung, sondern der Vorbeugung von zum Beispiel Erschöpfung bis hin zum Burnout und den vielen möglichen Begleiterscheinungen.