Lesswaste in den Familienurlaub

Lesswaste in den Familienurlaub

Nachhaltig und möglichst plastikfrei leben, das ist schon im Alltag schwer, aber geht das auch im Urlaub oder vergeht einem dann das Urlaubsfeeling und von Erholung ist nichts zu spüren?


Diesen Sommer ging es für uns in den Familienurlaub. Sieben Tage nur wir fünf auf der Insel Fehmarn. Bei der Urlaubsplanung kam uns der Gedanke, dass wir möglichst nachhaltig den Urlaub gestalten möchten und so wenig wie möglich Müll am Ende des Urlaubs im Mülleimer der Ferienwohnung sein sollte. Ähm Urlaub und dann auch noch lesswaste ohne sich auszukennen, was auf der doch recht kleinen Insel Fehmarn eigentlich möglich ist? Ja, es hat uns gereizt. Doch zuallererst mussten wir alle Familienmitglieder von der Idee überzeugen. Ein Urlaub ist für alle da!
Die Kinder waren einverstanden und haben bei der Recherche im Vorfeld geholfen, ihre Wünsche aufgeschrieben und uns auch im Urlaub so manches Male an unser Vorhaben erinnert.


Die Planung

Unsere Unterkunft war ein Ferienreihenhaus in Niendorf, einem kleinen Ort in direkter Nachbarschaft zum Inselmittelpunkt Burg. Nachhaltigkeit bedeutet auch, die Anreisemöglichkeiten zu überprüfen. Auto oder Bahn? Letztendlich haben wir uns für das vollbesetzte Auto entschieden, das neben unserem Gepäck auch noch zwei Fahrräder transportierte. Die Bahn war schlichtweg zu umständlich, zu teuer und deutlich zeitaufwändiger für uns fünf. Über das Internet haben wir drei weitere Fahrräder im Vorfeld bereits für die Woche gebucht, damit wir möglichst das Auto am Ferienhaus stehen lassen konnten.
Ich habe die Tourismusinformation angeschrieben, ob sie mir einige Adressen nennen könnten, bei denen wir verpackungsfrei einkaufen könnten. Leider war die Antwort ziemlich dünn, bis auf den Biomarkt in Burg und dem Markttag am Mittwoch in Burg, konnten sie uns keine Möglichkeiten nennen. Wir hatten im Netz einen Unverpacktladen in Lübeck ausgemacht und uns überlegt am Anreisetag einen Zwischenstopp dort einzulegen, um uns mit einigen unverpackten Lebensmitteln für die ersten Tage einzudecken.


Packliste

Plastikfrei einkaufen ist das eine, aber auch unser Gepäck sollte unseren Kriterien entsprechen. Für die Zahnbürsten habe ich neue Hüllen genäht und ein neuer Kulturbeutel mit Fächern für die Haarseife und die feste Seife fürs Duschen und Händewaschen ist auch entstanden. Unsere „neue“ Picknickdecke besteht aus lauter Quadraten aus Stoffresten, die sich in den letzten Jahren angesammelt haben. Ein kunterbuntes Muster ist entstanden, bei dem jeder etwas zu erzählen hat (mein erstes Kleidchen, daraus haben wir doch dies und daraus das…).
Dann haben wir eine Packliste geschrieben, welche Dinge wir wirklich brauchen, damit wir zum einen alles ins Auto bekommen und zum anderen ist zu viel Gepäck auch nicht nachhaltig, denn es ist schwer und dadurch benötigen wir mehr Kraftstoff beim Autofahren.


Die Anreise

Wir haben Laugenstangen und -brezeln am Morgen aufgebacken und in einem Jutebeutel mitgenommen. Getränke wurden in unsere Soulbottles gefüllt, die dann auch im Urlaub für die Mitnahme von Getränken sorgen konnten. Der Mann hat einen Kaffee in seinem Coffeetogobecher bekommen, den konnte er auf dem Rastplatz dann auch neu auffüllen lassen. Das hat prima geklappt.
Leider sind wir nicht so früh losgekommen wie wir uns vorgenommen hatten und einem Familienmitglied ist bereits am Anfang der Reise ziemlich übel geworden, so dass wir einen ungeplanten Zwischenstopp einlegen mussten. Deshalb haben wir den Zwischenstopp in Lübeck ausfallen lassen und sind direkt zum Ferienhaus durchgefahren. Einen Zwischenstopp gab es noch, denn alle hatten nach der langen Fahrt trotz Verpflegung langsam Hunger. Auf der Suche nach einer Einkaufsmöglichkeit sind wir beim Rewe in Burg gelandet.


Einkaufen auf Fehmarn

Der Rewe war ein Glücksgriff direkt zu Anfang des Urlaubs. Hier haben wir tatsächlich viele Dinge unverpackt oder in Mehrwegflaschen oder -glas bekommen. Die Milch und der Joghurt kommt tatsächlich aus unserer Heimat – von der Biomolkerei Söbbeke aus dem Münsterland und bis auf den Aufschnitt und Käse sowie einige Süßigkeiten, haben wir ohne große Einschränkungen plastikfrei eingekauft, wenn auch nicht unverpackt. Vor dem Rewe stand ein Tomatenstand mit regionalen Tomaten, die es in Pappschalen gab. Wir haben direkt zugeschlagen. Einziger Fail am ersten Tag, war der in Plastik verpackte Kuchen, den wir uns zur Kaffeezeit mitgenommen hatten.
Den Markt am Mittwoch konnten wir nicht besuchen, dafür haben wir einen Marktstand in Burgstaaken am Donnerstag entdeckt, an dem wir uns mit frischem Obst und Gemüse versorgt haben: Einfach in die mitgenommenen Fahrradtaschen gelegt und die Vitamine kommen ohne Verpackung ins Ferienhaus.
Was uns beim Einkaufen geholfen hat: Planung. Denn wir hatten uns am Anreisetag zusammen überlegt, was wir in den nächsten Tagen essen wollten und dann nur die benötigten Lebensmitteln eingekauft. Das hat super geklappt.


Fortbewegung im Urlaub

Wir hatten im Vorfeld bereits drei Fahrräder vorbestellt und zwei haben wir mitgenommen. Das hat unsere Kosten minimiert und die Vorbestellung ist nur zu empfehlen, denn als wir am Anreisetag beim Fahrradverleih ankamen, sagte uns die Dame, dass sie restlos ausverkauft war und wir Glück hatten vorbestellt zu haben. Yeah.
Das Auto haben wir für die An- und Abreise genutzt und für die Einkaufsfahrten zum Supermarkt, die für meinen Geschmack aber zu häufig waren, doch aus diversen Gründen haben wir mehr Zeit im Ferienhaus verbracht als wir geplant hatten. Morgens zum Bäcker sind wir mit dem Rad gefahren, genauso zum Strand in Klausdorf, einige Tagesausflüge an der Küste entlang und zum Bahnhof. Den Tagesausflug nach Lübeck haben wir mit der Bahn und dem Schleswig-Holstein-Ticket begangen. Das war super. Mit dem Rad zum Bahnhof nach Burg. In den Zug einsteigen bis Lübeck, aussteigen, die Stadt genießen und abends wieder mit der Bahn zurück. Alles hat reibungslos funktioniert.
Dazu sollte man aber erwähnen, dass wir nur 2 km entfernt von Burg in Niendorf gewohnt haben und nur den Ostteil der Insel erkundeten. In den Süd- und Westteil wollten wir gerne, haben es aber aus diversen Gründen nicht geschafft mit dem Rad zu fahren und mit dem Auto wollten wir nicht.


Unser Fazit

Wir haben einen entspannten Urlaub verlebt, trotz oder gerade wegen der Challenge. Wir haben uns viel an der frischen Luft bewegt, sind viel Fahrrad gefahren oder am Strand entlang gelaufen. Die Bahnfahrt war für alle eine entspannte Art zu reisen und die Parkplatzsuche entfiel. Wir haben uns von viel Gemüse und Fisch ernährt, für uns nicht selbstverständlich, aber am Meer eine Pflicht – also zumindest der Fisch. Die ungewohnte Umgebung und die klar begrenzte Zeit möglichst plastikfrei einzukaufen bis auf wenige Ausnahmen, haben uns als Familie dabei sicher geholfen. Schön für mich ist es, dass wir einiges mit in den Alltag mitnehmen konnten. Anderes hingegen ist zur alten Gewohnheit zurückgekehrt.


Wichtig ist es, dass ihr entspannt bei der Umsetzung bleibt. Wir haben die ein oder andere Ausnahme gelten lassen. Es war schließlich unser erster siebentägiger Familienurlaub seit langem und schlechte Laune gab es teils schon genug, da muss nicht auch noch das Einkaufen stressen.